Benefittrends – Wissen & Fakten III

Wieso Financial Wellbeing?

Bisher sind wir in unserer Blogparade auf die Basics zum Thema Financial Wellbeing eingegangen: Was ist Financial Wellbeing und Financial Peace of Mind und was sind Methoden und konkrete Benefits die Unternehmen anbieten können, um das finanzielle Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter zu fördern? Was macht das Thema aktuell und was ermutigt Unternehmen Benefits rund um Financial Wellbeing zu integrieren?

Ein wichtiger Punkt weshalb das Thema Einzug in die HR-Strategie halten sollte, ist der Zusammenhang zwischen Stress und Financial Wellbeing. Gerade finanzielle Sorgen tragen maßgeblich dazu bei, dass Menschen bewusst oder unterbewusst unter Druck stehen und sich dadurch gestresst fühlen. Dauerhafte Existenzängste, Zukunftssorgen und der Mangel an Sicherheit und Freiheit können langfristig sogar zu Krankheiten führen. Zahlreiche Studien der letzten Jahre zeigen, dass mit finanziellem Stress, die Leistungsfähigkeit und damit die Produktivität abnimmt sowie Krankheitszeiten zunehmen. Bedingt wird dieser Effekt unter anderem durch Schlafmangel oder Konzentrationsschwierigkeiten, die aus der Stresssituation resultieren. So schneiden Menschen bei finanzieller Belastung oft weitaus schlechter in IQ-Tests ab, verglichen mit dem Testergebnis in Situationen ohne finanzielle Belastung. Die Konzentrationsfähigkeit verringert sich dementsprechend mit dem Vorhandensein von finanziellem Stress. Ein Zustand, den sich kein Arbeitgeber für sich und seine Mitarbeiter wünscht. Psychologische Studien ergeben außerdem, dass Menschen mit finanziellem Stress nicht nur kognitiv weniger leistungsfähig sind, sondern sogar physische Schmerzen leiden und außerdem eine schwächere Schmerzenstoleranz entwickeln. In Großbritannien wird finanzieller Stress als Stressursache Nr. 1 genannt (Quelle: Salary Finance 2019), in Deutschland steht er an zweiter Stelle (Quelle: Statista 2019).

Laut einer Studie des britischen Finanzunternehmens Barclays PLC, werden sich vor allem die jüngeren Generationen (wie z. B. die Generation X) zunehmend verschulden und damit vermehrt mit finanziellen Sorgen und daraus resultierendem Stress konfrontiert sein. Diese Generation wird mit ihren Eigenschaften in naher Zukunft einen Großteil des Arbeitsmarktes abbilden. Unternehmen sollten sich daher auf die Bedürfnisse dieser Arbeitnehmerschaft einstellen. Als Arbeitgeber das finanzielle Wohlbefinden der Mitarbeiter zu fördern, scheint im Hinblick auf die oben genannte Entwicklung an Relevanz zu gewinnen. Financial-Benefits können Instrumente sein, um den finanziellen Stress der Arbeitnehmer zu reduzieren und das finanzielle Wohlbefinden und damit die Leistung der Mitarbeiter zu steigern.

Allerdings gilt das Thema „persönliche Finanzen“ oftmals als Tabuthema. Es ist eher untypisch mit Kollegen oder gar dem Arbeitgeber über die eigene finanzielle Lage zu sprechen. Es ist also fraglich, ob sich Arbeitnehmer überhaupt Unterstützung in diesem sensiblen Thema seitens des Arbeitgebers wünschen. Einen Hinweis liefern Zahlen aus Großbritannien. Sie zeigen deutlich, dass Mitarbeiter dankbar für Initiativen des Arbeitgebers sind: 38 % der Befragten würden den Arbeitgeber wechseln, wenn ein neuer Arbeitgeber (bessere) Angebote im Bereich Financial Wellbeing an die Mitarbeiter ausgibt. Auch in Deutschland sieht es ähnlich aus: In einer Deloitte Studie (Flexible Altersversorgungsmodelle in der agilen Organisation, 2019) gaben 42 % der Befragten an, dass bei einem Jobwechsel eine finanzierte betriebliche Altersvorsorge – ein Financial Wellbeing Thema – positiven Einfluss auf Ihre Entscheidung zu Wechseln hat. Oftmals ist es gerade beim Thema Finanzen schwierig zu wissen, an wem man sich vertrauensvoll wenden kann. Auch hier gab eine UK Studie mit über 10.000 Mitarbeitern aus 25 verschiedenen Industrien einen Einblick (Salary Finance 2019): Mehr als 77% der Mitarbeiter vertrauen Ihrem Arbeitgeber. Ein gutes Ergebnis, da Vertrauen eine Voraussetzung für die erfolgreiche Platzierung von Benefits rund um Financial Wellbeing darstellt.

Es gibt eine Reihe sinnvoller Financial-Benefits, einige davon sind hoch komplex und verlangen ein hohes Maß an Planung, Vorarbeit und gezielte Kommunikation bevor sie den Mitarbeitern Mehrwert bieten. Aber bereits kleine Schritte wie „Financial Education“ können große Wirkung erzielen. Oftmals fehlt es an Instrumenten, die helfen einen Überblick über das persönliche Vermögen zu erlangen. So schaffen beispielsweise einfache Budgetierungstools, die einen Überblick über Ein- und Ausgaben geben, schnell Klarheit und langfristige Kontrolle über die eigene Finanzlage (Für mehr Informationen zu den Instrumenten im Bereich Financial Wellbeing, lesen Sie den Blogbeitrag: Wissen & Fakten II).

Das Thema Financial Wellbeing für den Compensation & Benefits Bereich steckt, zumindest in Deutschland, noch in den Kinderschuhen – ein Blick auf aktuelle Studien, psychologische Erkenntnisse und Umfragen zeigt jedoch deutlich: Unternehmen können einerseits mit der Schaffung von Bewusstsein für das Thema und Enttabuisierung sowie mit der Bereitstellung von Angeboten im Bereich Financial Wellbeing erheblich zum allgemeinen Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter beitragen. So können Arbeitgeber durch Stressreduktion Abwesenheiten verringern und die Produktivität sowie Loyalität durch Financial Wellness steigern.

 

Quellen:

Economic Insecurity Increases Physical Pain, in: Psychological Science, Februar 2018.

Employer’s Guide to Financial Wellbenig 2018-2019, Salary Finance, 2019

Financial Wellbeing: The Last Taboo in the Workplace?, Barclays 2014

Flexible Altersversorgungsmodelle in der agilen Organisation , Deloitte, in: Comp & Ben – Das Onlinemagazin für Vergütung, Ausgabe 1, Januar 2019

Statista, 2019: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6803/umfrage/ursachen-fuer-stress/