Die Strategie sagt das eine. Das Vergütungssystem etwas anderes.

Warum Ausrichtung so wichtig ist

  • Ein Unternehmen kündigt an, den Fokus von Wachstum auf Effizienz zu verlagern. Das Incentive-System belohnt weiterhin vor allem Umsatz – alles andere ist zweitrangig.
  • Ein anderes Unternehmen erklärt, dass Zusammenarbeit jetzt geschäftskritisch ist. Im Vergütungsrahmen dominiert trotzdem nach wie vor die individuelle Leistung.
  • Ein drittes Unternehmen spricht davon, zukunftsfähige Skills aufzubauen. Menschen werden aber weiterhin vor allem nach ihren Jobtiteln bewertet – also danach, wo sie waren, nicht danach, wohin sich das Geschäft entwickelt.

In all diesen Fällen sagt die Strategie das eine. Das Vergütungssystem etwas anderes. Und Mitarbeitende folgen – bewusst oder unbewusst – meist dem stärkeren Signal.

Das ist keine Kritik an Total-Rewards-Verantwortlichen. Die meisten Vergütungsrahmen wurden sorgfältig und zur Unterstützung einer Strategie entwickelt, die zu diesem Zeitpunkt sinnvoll war. Die Herausforderung ist nicht schlechtes Design. Die Herausforderung ist, dass sich die Welt rund um Vergütungsrahmen oft schneller ändert als die Rahmenwerke selbst. Wenn sie aus dem Takt geraten, zeigt sich diese Lücke selten in einem Richtliniendokument. Sie zeigt sich im Verhalten: in den Entscheidungen, die Menschen treffen, den Prioritäten, die sie setzen, und den Abwägungen, die sie stillschweigend für sich vornehmen.

Genau das macht fehlende Ausrichtung so schwer zu erkennen – und so folgenreich, wenn es dabei bleibt.

Wenn sich die Strategie ändert – was sollte Reward dann tun?

Man muss nicht alles ändern. Eine neue strategische Richtung bedeutet nicht, dass die Vergütungsarchitektur komplett abgerissen werden sollte – und in der Regel wäre das auch keine gute Idee. Aber sie wirft eine wichtige Frage auf:

Sitzt Total Rewards mit am Tisch, wenn Strategien entwickelt werden – oder wird das Team erst danach hinzugerufen, um diese in neue Zielwerte und KPIs zu übersetzen?

Das ist ein wesentlicher Unterschied. Die Frage ist nicht nur, ob ein Incentive Plan die neue Strategie formal abbildet. Sondern: Verstehen diejenigen, die Vergütung gestalten und steuern, die Strategie so gut, dass sie erkennen, wann die beiden beginnen auseinander zu driften?

Es erfordert eine andere Beziehung zwischen Vergütung und Business: weniger Fokus auf Programmdesign, mehr Fokus darauf, welches Verhalten der Mitarbeitenden durch das Reward-System tatsächlich gefördert wird.

Der Test, den die meisten Organisationen nie fahren

Mitarbeitende hören nicht nur zu, was Führungskräfte sagen. Sie achten darauf, was gemessen, anerkannt und belohnt wird. Damit ist Total Rewards eines der stärksten Instrumente, mit denen eine Organisation kommuniziert, was wirklich wichtig ist – und trotzdem betrachten wir Vergütung nur selten unter genau diesem Aspekt. Vielleicht gibt es dafür einen einfachen Test:

Wenn wir aufhören, Strategiepapiere zu lesen und nur noch auf die Vergütungsarchitektur schauen – zu welchem Schluss würden wir in Bezug auf die angestrebten Unternehmensziele kommen?

Nicht, ob der Rahmen wettbewerbsfähig ist.
Nicht, ob er in sich stimmig ist.
Sondern, ob er dem Unternehmen dabei hilft, das zu werden, was es werden möchte.

Dies Frage ist erstaunlich schwer zu beantworten. Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Warum das jetzt wichtig ist

In vielen Gesprächen, die wir dieses Jahr führen konnten, tauchte genau dieses Spannungsfeld auf. Die Belegschaft verändert sich. Vergütungssysteme werden flexibler, datengetriebener und stärker personalisiert. KI legt Schwächen in bestehenden Grundlagen offen. Das gewohnte Playbook ist immer schwerer zu rechtfertigen. Doch all dem liegt eine prinzipiellere Frage zugrunde:

Wenn Total Rewards anpassungsfähiger wird – worauf genau steuern wir dann eigentlich zu?

Flexibilität ohne Richtung bedeutet nur ein Mehr an Optionen. Und vielleicht wird exakt hier die strategische Rolle von Total Rewards am spannendsten. Die Organisationen, die am meisten aus einer dynamischeren Vergütungsarchitektur herausholen, sind möglicherweise diejenigen, die sich zuerst fragen: Welches Signal sendet unser Reward-System eigentlich wirklich an die Menschen? Denn am Ende erleben Mitarbeitende ihre Organisation über das, was von ihnen erwartet wird, was gemessen wird, was anerkannt wird – und was am Ende belohnt wird.

Damit ist Total Rewards weit mehr als eine Supportfunktion, die Strategie im Nachgang umsetzt. Es ist vielmehr ein möglicher Ansatz, damit Strategie aufhört ein Papier zu sein und zur Realität wird – einer Realität, die für die Menschen im Arbeitsalltag tatsächlich spürbar ist.

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Portrait von Simone Schmitt Schillig – Geschäftsführerin Unequity GmbH

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